• Claudia Traxl

Zahlenspielereien

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Ich werde still und lausche, auf die Geräuschkulisse rund um mich, auf das hektische Treiben an meinem Arbeitsplatz vor dem digitalen Universalgenie, das aus unserer Welt kaum noch wegzudenken ist. Ich höre meine eigenen Finger über die Tastatur klappern, während ich das schreibe. Ich höre den Kopierer, der unermüdlich Seiten ausspuckt, Seiten voller Zahlen, Formen und Grafiken, ohne die in der modernen Welt kein Unternehmen mehr funktionieren würde.

Ich muss unwillkürlich an ein Bild denken. Wie werden sich wohl ferne Generationen unser Leben vorstellen, wenn sie einst einmal bei einer Ausgrabung auf einen unserer digitalen Datenträger stoßen und diese ganzen Zahlen, Statistiken und Listen darauf finden, vorausgesetzt dass dessen Funktionalität so lange überlebt? Was denken sie über unsere Lebensweise, unseren Arbeitsalltag, unsere Intelligenz?


Stellen sie sich uns als hochintellektuelle Wesen vor, die über alle physischen Hindernisse erhaben waren, oder bemitleiden sie uns dafür, dass wir so viel Zeit und Energie unseres gesamten Lebens in das Aufstellen von Zahlenlisten investiert haben?

Was sagen diese Dokumente über unsere Gesellschaft aus? Werden diese zukünftigen Generationen auch die Wertigkeit verstehen, die wir diesen Zahlen beimessen? Überhaupt frage ich mich manchmal, ob wir unseren Wert in diesem Leben und der Gesellschaft nur mehr als Daten und Fakten ausdrücken können? Zählt unsere Leistung nicht, wenn sie nicht für die Nachwelt in einer Statistik festgehalten wurde? Welche Werte mag wohl solch eine Gesellschaft leben, die sich so intensiv um die optische Darstellung endloser Zahlenreihen kümmert? Wo bleiben die Geschichten, die in früheren Generationen mündlich an die Kinder weitergegeben wurden, um ihnen Werte und Moral zu vermitteln? Werden sie durch Rechenbeispiele ersetzt, um den statistisch wahrscheinlichsten Verlauf eines durchschnittlichen Lebens darzustellen?

All diese Fragen stelle ich mir, während ich diese Gedanken in digitaler Form zu Papier bringe. Letztendlich auch nur eine Reihe virtueller Einsen und Nullen, sonst könnte der Computer sie ja nicht in Schriftform umwandeln.


1 zu 0 für den Stift, würde ich sagen!

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